Wildbiene & Co - Meine Passion

von Monika Lechelmayr

Honigbienen kennt ja bestimmt jeder. Aber daneben gibt es auch noch Wildbienen, die nur wenig bekannt sind. Was ist der Unterschied?

Honigbienen produzieren Honig, Wildbienen nicht.

Honigbienen leben zu hunderten in Staaten, Wildbienen leben in der Regel solitär, also alleine. Das heißt, jede (weibliche) Wildbiene ist ihre eigene Königin, baut ein Nest für ihre Nachkommen, legt die Eier ab und verschließt das Nest. Die meisten Wildbienen-Damen leben nach der Paarung noch 4-5 Wochen, wenige überwintern. Der Lebenszyklus der Männchen ist sogar noch kürzer. Ihr Lebenszweck ist nach der Paarung erfüllt.

Honigbienen fliegen vom Frühjahr bis zum Herbst, Wildbienen treten nur zu bestimmten und relativ kurzen Zeiten im Garten auf, je nach Art und Lebensdauer.

Honigbienen verteidigen ihren Staat, das heißt, bei Bedrohung setzen sie ihren Stachel ein (und sterben daran). Wildbienen stechen nicht. Erstens würde ihr dünner Stachel menschliche Haut gar nicht erst durchdringen und zweitens sind sie alleine für ihre Nachkommenschaft zuständig. Daher verhalten sie sich friedlich und geben sogar eher ihr Nest auf, als sich zu verteidigen .

Die Honigbiene erkennt man sofort. Wildbienen haben ein sehr unterschiedliches Aussehen. Manche sehen den Honigbienen sehr ähnlich, es gibt aber auch zum Beispiel schwarze oder Wespenähnliche, die man nur als ‚Biene‘ erkennt, wenn man es weiß. Bei Interesse schauen Sie doch mal bei www.Wildbienen.de vorbei und staunen Sie!

Warum sollte man Wildbienen fördern und schützen? Weil sie als Pflanzenbestäuber mindestens ebenso wichtig wie die Honigbienen sind. Und weil viele Arten mittlerweile vom Aussterben bedroht sind, da sie nicht mehr genügend Nahrung (=Nektar) finden.

Ein genialer Naturgartenplaner namens Reinhard Witt schrieb: Wenn die Blume das Schloß ist und die Mundwerkzeuge der Biene der Schlüssel, dann hat die Honigbiene einen Universalschlüssel. Das heißt, sie kann auch Nektar von Pflanzen erhalten, die nicht ‚heimisch‘, also von hier sind. Dazu gehören zum Beispiel Sonnenhüte (Echinacea und Rudbeckia), viele Storchschnäbel (Geranium), Gänsekresse (Arabis), Mädchenauge (Coreopsis), Dahlien, Indianernesseln (Monarda), Herbstanemonen (Anemone), Phloxe etc., um nur einige zu nennen.

Wildbienen hingegen sind hochspezialisiert. Sie haben ihren Nektar-Schlüssel nur für ganz bestimmte, überwiegend heimische Pflanzen, manche Arten sind sogar nur auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert. Wenn also diese Pflanzen fehlen, sterben die Wildbienen langfristig aus. Ein paar Beispiele von heimischen Pflanzen gefällig?

Einjährige: Ringelblume, Klatschmohn, Kornblume, Vergißmeinnicht, Kräuter wie Dill, Borretsch, Kümmel, Koriander.
Zweijährige: Wilde Möhre, Wilde Karde, Silberblatt, deutscher Ziest, Königskerze.
Mehrjährige: Unnedlich viele. Schafgarbe, Eisenhut, Stockrosen, Glockenblumen, Flockenblumen, Witwenblumen, Skabiosen, Kuhschellen, und viele, viele, andere schöne …
Zwiebel n: Kugellauch, Schneeglöckchen, Winterling, Blausternchen, Dichternarzisse, Wildtulpe.
Sträucher: Echte Felsenbirne, Berberitze, Kornelkirsche, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Heckenkirschen, Wildrosen, Weiden, Haselnuß, Schneeball, diverse Beerensträucher und, und, und….

Was kann ich selber tun, um Wildbienen & Co. zu fördern?

Heimische Wildpflanzen pflanzen statt gezüchteter Prachtstauden. Zum Beispiel eine wundervoll hellblaue Wegwarte (Cichorium intybus) oder eine traumhaft dunkelblaue Ochsenzunge (Anchusa officinalis) pflanzen statt einer Was-auch-immer-Hybride. Züchtungen oder Hybriden sind in der Regel genverändert, um länger/schöner/größer/wirkungsvoller zu blühen als das natürliche Original. Dadurch sind die Nektar spendenden Pflanzenorgane oft verkümmert und die Pflanze ist als Nektarquelle unbrauchbar.

Pflanzen mit ungefüllten Blüten verwenden, denn gefüllte Blüten enthalten keinen Nektar, also keine Bienen-Nahrung.

Auf Chemie verzichten. Und ‚Leben‘ zulassen. Aufgeräumte, ‚ordentliche‘ Gärten bieten keinen Lebensraum. In der Regel reguliert die Natur sich selber, wenn man sie läßt. Also auch die kleinsten unter den Kleinlebewesen zulassen. Ohrenkneifer, Kellerasseln und Regenwürmer sind wichtig für ein ökologisches Gleichgewicht. Auch ein Maulwurf, so unschön seine Hügel sind, vernichtet massenweise schleimige, schöne Pflanzen zerstörende Nacktschnecken.

Zum Schluß noch drei ‚Übrigens:‘

Übrigens 1:

Auch unsere dicken Brummer, die Hummeln, gehören zu den Wildbienen. Auch sie sind zum Teil schon vom Aussterben bedroht.

Übrigens 2: Wildpflanzen sind relativ pflegeleicht. Der richtige Standort und die richtige Erde muß es schon sein, wie bei allen anderen Pflanzen auch. Aber gießen und düngen kann man sich so gut wie sparen. In den Alpen oder im Wald geht ja auch keiner hin und gießt oder düngt ;-) Ein Rückschnitt im Frühjahr = Fertig.

Übrigens 3: Wo Pflanzen für Wildbiene & Co. gepflanzt sind, freuen sich auch die Honigbienen. Und die Hummeln. Und die Schmetterlinge. Und der Naturliebhaber an sich!

Und: Jede naturnahe Pflanze hilft!

Empfehlenswerte Literatur: Alle Bücher von Reinhard Witt. Nur online direkt bei ihm erhältlich. Etwas teurer, aber es lohnt sich!

Wildpflanzen-Online-Shops meines Vertrauens:
www.hof-berggarten.de
www.gaertnerei-strickler.de.
Lassen Sie sich nicht von den lateinischen Namen abschrecken, die Suchfunktion geht auch über die deutsche Bezeichnung.

Ich bin Gärtnerin aus Passion, nicht durch Ausbildung. Meine Informationen beziehe ich aus Büchern und dem Internet.

Ich freue mich, wenn ich Ihr Interesse wecken konnte

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